Niedrigwasserschleuse Rothensee

Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel

das wünschen sich alle, die sich mit ihren Fahrzeugen auf dem Wasser fort bewegen wollen. So auch die Elbschiffer. Nur die Elbe, die will machmal nicht so, wie sich das die Schiffer wünschen. Mal hat sie zuviel, aber in jüngerer Zeit meistens zu wenig Wasser. Man könnte das wenige Wasser der Elbe in einer Fahrrinne sammeln und somit den Schiffen häufiger die berühmte Handbreit unter‘m Kiel verschaffen, aber da steht Paul Dörfler vor und auf einem anderen Blatt. Im Hafen aber kann man sich vor niedrigem Wasserstand schützen. Man braucht den Hafen nur durch eine Schleuse von der Elbe zu trennen und im Bedarfsfall Wasser von der Elbe in den Hafen pumpen und die Schiffe behalten die begehrte Handbreit ...
Genau diesem Zweck dient die Niedrigwasserschleuse Rothensee in Magdeburg. Sie entsteht im Rahmen des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg und trennt im Rothenseer Verbindungskanal in Höhe der Steinkopfinsel die Magdeburger Häfen von der Stromelbe. Richtfest war am 24.6.2010 und sie soll im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden.
Um mehr über diese Schleuse der etwas anderen Art zu erfahren, trafen sich am 8.September 2011 ca. 30 Mitglieder der Bezirksgruppe Magdeburg des VSVI. Treffpunkt war die Nordspitze der Steinkopfinsel - ein Ort, zu dem man kaum zufällig kommt, es sei denn, man hat sich mörderisch verfahren. Wir wurden von Herrn Preuß von der WSV (Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes) erwartet, der uns in einem 30 minütigen Vortrag von 1h Dauer grundlegende Informationen über Organisationsstrukturen, Bauvorhaben und natürlich über die Schleuse vermittelte. Am Ende dieses Artikels folgt eine Liste von kommentierten Links, auf denen Interessierte weiter und tiefer führende Informationen erhalten können.
Nach den einführenden Worten durften die Besucher in zwei Gruppen die Baustelle besichtigen. Ausgestattet mit Helm durften wir die Haupttürme (ich war auf dem Unterhaupt, der Seite des niedrigeren Wasserstandes = Elbe) besteigen und die seltene Aussicht auf das Industriegebiet und die Kollegen auf dem Oberhaupt genießen. Beeindruckt war ich von der Silhouette des Industriegebiets, die eindrucksvoll die Veränderungen der jüngeren Vergangenheit illustrierte. Mit Enercon, dem WEC-Turmbau und anderen Firmen sind große Arbeitgeber für Magdeburg und sein Einzugsgebiet entstanden. Mit Eisenbahn-, Wasserstraßen- und Autobahnanschluss hat Rothensee große Standortpfunde, mit denen es auch in Zukunft wuchern kann.
Während unseres Aufenthaltes auf der Brücke zwischen den Türmen tat uns auch ein den Schiff den Gefallen, die Schleuse zu benutzen. Wenn die Elbe genug Wasser führt, fährt es einfach durch.
Abschließend bestaunten wir noch die redundant eingebauten Hochleistungspumpen, die mit einem Förderstrom von 3,5m³ im Bedarfsfall den Wasserstand im Hafen auf dem gewünschten Niveau halten.
Ein sehr gelungener Nachmittag mit konzentrierter Wissensvermittlung und ungewöhnlichen Sichten.

Und hier die Links:

Startseite der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes

Karte der Zuständigkeiten der Wasser- und Schifffahrtdirektionen (schön zu erkennen die Einzugsgebiete der deutsche Gewässer)

Seite des Wasserstraßenneubauamtes Magdeburg zur Niedrigwasserschleuse mit vielen Dokumenten

Die Fotos in diesem Beitrag sind von mir.

Magdeburg, Oktober 2011

Bruno Timme