Vorbereitungen

Im April 2008 erhielten wir den Auftrag, in Rumänien eine Straße zu vermessen. 8,4km Neubau über die grüne Wiese und 1,4km Ausbau sollten alle 50m vermarkt und das Urgelände aufgenommen werden. Inklusive An- und Abreise mit Flugzeug standen uns dafür die 5 Tage vom 5.-9.5.2008 zur Verfügung.

Die Planungsunterlagen hatten wir schon einige Wochen länger und auf alle verfügbaren Informationen ausgequetscht. Folgende wichtige Fragen mussten wir unbeantwortet mit nach Rumänien nehmen:

  • Wo ist Norden? Kein Plan hatte einen Nordpfeil. Die digitalen Pläne waren verdreht und verschoben, damit sie beim Plotten besser aufs Papier passen.
  • Welches Lage-/Höhensystem wurde benutzt und wie ist dieses in der Örtlichkeit repräsentiert?
  • Welche Projektion auf welchem Ellipsoid wurde benutzt?

Ebenfalls unbekannt war, welche Situation uns vor Ort erwartete. War das Baufeld evtl. schon erkennbar, so dass man die Urgeländeaufnahme schon gleich nach der Ankunft hätte beginnen können oder sind evtl. schon die Achshauptpunkte vermarkt?

Messtechnisch hatten wir uns ziemlich schnell entschieden. Auf den Einsatz von Tachymeter und Nivellier konnten wir aufgrund der in diesem Stadium geringen Genauigkeitsanforderungen verzichten. Die erste Wahl war also GPS, aber auf jeden Fall als RTK-Lösung. Die Arbeit mit GPS hatte noch den Vorteil, dass wir mit relativ wenig Festpunkten auskommen konnten. Riskant war natürlich die Unkenntnis von Bebauung und Vegetation. Eine nicht so große Hilfe war, wie eigentlich sonst, Google Earth. Das im April 2008 verfügbare Foto hatte nur eine grobe Auflösung. Aus dem Farbmuster konnten wir uns nur einen groben Überblick über die zu erwartenden Bebauungs-, Vegetations- und Geländeverhältnisse verschaffen. Die jetzt (Januar 2009) verfügbare Auflösung liegt um Größenordnungen über der vom April 2008.

Das öffentliche Referenznetz ist im Aufbau begriffen. Informationen zum aktuellen Stand kann man auf der offiziellen Seite des rumänischen Referenzdienstes ROMPOS erhalten, die allerdings nur in rumänisch gestaltet ist. Im April 2008 hatten wir diese Informationen noch nicht und wir hätten uns auch nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht auf den Referenzdienst verlassen, so dass wir einen zweiten GPS-Empfänger als Base mitnahmen.

Ob die von uns zur Kommunikation zwischen Rover und Base und von die von den Handfunkgeräten benutzten Frequenzen auch in Rumänien frei waren, konnten wir trotz intensiver Recherche nicht zweifelsfrei klären. Da die von uns benutzten Frequenzen laut Europäischer Frequenznutzungsplan aber nicht ausdrücklich militärischer oder ähnlich sensibler Nutzung zugewiesen waren, haben wir sie einfach benutzt und es ist auch kein Flugzeug vom Himmel gefallen und kein Zug entgleist o.ä.

Wie bei der nachträglichen Aufarbeitung des Einsatzes klar wird (gut 7 Monate später), tut sich in der rumänischen Vermessungsverwaltung Einiges. Damals vergeblich gesuchte Informationen findet man jetzt relativ schnell und der Inhalt der amtlichen Website ändert sich fast täglich. Eine englische Sprachversion ist auch verfügbar. 

Mit etwas mulmigen Gefühlen im Bauch begannen wir also mit den konkreten Vorbereitungen. Die digitalen Pläne wurden anhand der Koordinatenanschriebe der Achshauptpunkte neu orientiert. Die Koordinaten der Punkte, die wir für Festpunkte hielten, wurden extrahiert (wie sich vor Ort herausstellte waren es unvermarkte Standpunkte der Aufnahmen für die Entwurfsvermessung). Die Trassierung wurde für den Roadrunner vorbereitet. Trasse, Hauptpunkte, Festpunkte und gescannter Lageplan wurden in einem Übersichtslageplan 1:10000 zusammengepackt und in einem handlichen Format geplottet.

Ca. 60 Ausrüstungsteile wurden penibel in einer Liste zusammengestellt und gewogen. Jedem Ausrüstungsteil wurde ein Gepäckstück zugewiesen, so dass kein Gepäckstück über dem Limit wog und wir immer wussten, wo wir was finden konnten (wenn wir es denn mitgenommen hatten). Die Bergschuhe als fast schwerste Gepäckstücke trugen wir an den Füßen.